Kinder nach der Trennung

 

muss nicht, kann aber…

 

Während ein Paar, zumindest ein Teil des Elternpaares oder gemeinsam, die bewusste Entscheidung fällt, sich zu trennen, haben die Kinder auf diese Tatsache, dass sich ihre Eltern nicht mehr verstehen und nicht mehr miteinander leben wollen, keinen Einfluss.

Trotzdem kann eine Trennung gravierende Auswirkungen auf das Leben der Kinder haben und ruft oft existentielle Ängste hervor. Kinder fühlen sich hilflos und schuldig aber auch wütend und traurig. Die „Dreiecksbeziehung“ zwischen Vater – Kinder – Mutter bricht auseinander. Für die Kinder und leider oft auch für die Eltern, sind die Elternebene und die Paarebene nicht klar getrennt. Das „Ehepaar“ und das „Elternpaar“ sind für die Kinder identisch. Bei einer Trennung stellt sich nun die grosse Frage –die berechtigterweise auch grosse Ängste hervorruft- ob die Kinder nun auch einen Elternteil verlieren? Sie müssen darauf vertrauen können, dass es diese Familie auch nach der Trennung noch gibt. Es liegt an den Eltern, dies zu verwirklichen.

Auch sind für die Kinder die gravierenden äusseren Veränderungen -wie Wohnungswechsel, neue Freunde, neue Schule, eine vielleicht wieder berufstätige Mutter, den Vater nicht mehr täglich zu sehen, allfällige finanzielle Probleme etc.- eine grosse Herausforderung.

Meistens wird den Kindern gemeinsam die Trennung mitgeteilt. Was gut ist und für die Kinder, in dieser Situation, Sicherheit gibt. Noch wichtiger ist aber, dass in der Trennungsphase die Elternebene und die Paarebene klar getrennt werden und dies den Kindern auch so vorgelebt wird. Das Gegenüber sollte mit Anstand und Respekt behandelt werden, so wie man selber auch behandelt werden möchte.

Die Kinder spüren genau, ob es den Eltern gelingt, sich zwar als Paar zu trennen aber trotzdem gemeinsam gute Eltern zu bleiben.

 

Wie schützen Sie die Kinder?

 

  • Eltern müssen nach der Trennung verlässliche Eltern sein, mit deren Fürsorge und Schutz die Kinder rechnen können, egal was passiert.
  • Der eine Elternteil verbündet sich nicht mit den Kindern gegen den anderen Elternteil, der Paarkonflikt wird sonst auf dem Rücken der Kinder ausgetragen.
  • Kinder bleiben Kinder und werden durch eine Trennung nicht zu Partnern, auch nicht zu Kollegen.
  • Kinder brauchen rasch eine klare und verlässliche Alltagsstruktur, in der sie sich aufgehoben fühlen. Sie möchten nicht nur hören, dass sie weiterhin geliebt werden, sondern sie müssen es spüren.
  • Eltern müssen sich vor den Kindern nicht „übertrieben“ harmonisch zeigen, offenen Streit und Beschimpfungen aber unbedingt vermeiden.
  • Eltern sollten die Kinder nicht aus einem „Schuldgefühl“ heraus verwöhnen.
  • (Er)Leben Sie mit den Kindern möglichst rasch den Alltag wieder. Dazu gehören Grenzen setzen, klare Regeln ausmachen und Alltagssituationen, wie Essen und Hausaufgaben machen, dazu.
  • Akzeptieren Sie, dass es beim Vater, wie auch bei der Mutter andere Regeln gibt. Auch wenn diese Regeln vielleicht dem anderen Elternteil nicht gefallen, so sind diese zu respektieren. Die Kinder wissen genau, was sie beim jeweiligen Elternteil dürfen und was nicht.
  • Wird es mit einem Kind, z.B. in der Pubertät schwierig, zeugt es von Respekt, wenn man den anderen Elternteil zu Rate zieht.
  • Eltern, die ihre Elternpflicht aufgrund ihrer psychischen Belastung und Überforderung nicht leisten können, sollten soziale u./o. therapeutische Hilfe annehmen, bis Sie mit der neuen Situation angemessen umgehen können.

 

So kann den Kindern im Vorschulalter und in den ersten Schuljahren spielerisch gezeigt werden, was eine Trennung für sie bedeutet.

Nehmen Sie z.B. drei oder mehr (je nach Anzahl Kinder) Puppen, Kuscheltiere oder Holzfiguren und bestimmen Sie, welches die Mutter, der Vater und die Kinder sind.

Erklären Sie den Kindern folgendes:
Zuerst lernen sich eine Frau und ein Mann kennen. Sie finden sich nett und fangen an, sich lieb zu haben. Die Liebe ist wie ein Wollfaden zwischen den beiden Figuren.

Ergibt dieses Bild:
Vater – Wollfaden – Mutter

Dann bekommen die Beiden ein Baby oder mehr. Die Mutter und der Vater freuen sich und haben die Kinder lieb. Die Kinder bekommen jetzt also je zwei Wollfäden einen vom Vater und einen von der Mutter.

Ergibt dieses Bild:
Vater – Wollfaden – Kind(er) – Wollfaden – Mutter. Der Vater und die Mutter sind auch verbunden. Es ergibt einen Kreis.

Bei einer Trennung trennen sich nur die Eltern, der Wollfaden zwischen Mutter und Vater wird durchschnitten. Die Wollfäden zum Kind bleiben ganz. Sie werden nicht durchschnitten und zeigen dem Kind, dass ihre Verbindung weiter bestehen bleibt.

Ergibt dieses Bild:
Vater – Wollfaden – Kind(er) – Wollfaden – Mutter. Es ergibt keinen Kreis mehr, sondern eine Linie.

Die Kinder sind visuell zwischen den Eltern. Sie dürfen sich weiter geborgen und sicher fühlen, da sie weiterhin von den Eltern links und rechts beschützt werden.

 

Acht trennungsbezogene Phasen

  1. Die Trennung der Ehe anerkennen und verstehen
    Die Kinder müssen eine realistische Vorstellung davon bekommen, was eine Trennung bedeutet. und welche Folgen sie haben wird. Hier geht es zunächst darum, Informationen –Wohnsituation etc.- zu sammeln und angstbesetzte Ideen –Verlust eines Elternteils- von wirklichen Veränderungen –z.B. Besuchs- resp. Betreuungsrecht- zu trennen.
    Möglichst rasch für klare Strukturen sorgen und flexibel sein, sollten die neuen Strukturen nicht auf das Geradewohl funktionieren.
    Kinder dürfen auch erkennen, welche positiven Aspekte eine solche Veränderung nach sich zieht. Dass sich z.B. die Eltern nicht mehr streiten, dass sie einen Elternteil für sich alleine haben, dass sie zwei Wohnsituationen und zwei verschiedene Regelungen haben.
  2. Zum eigenen Lebensstil und zu Gewohnheiten zurückfindenKinder und Jugendliche sollen sich nach einer Trennung möglichst bald wieder dem eigenen Leben zuwenden. Das gilt besonders für Jugendliche, die gerade damit begonnen haben, selbständig zu werden. Durch die Konflikte der Eltern werden sie wieder vermehrt in die Familie hineinbezogen. Gedanken und Gefühle sollten sich nicht ausschliesslich auf den Trennungsprozess richten. Kindliche Bedürfnisse sollten wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt und der Alltag normalisiert werden.
  3. Verarbeitung von Verlust-, Ablehnungs- und Schuldgefühlen
    Um keine ernsthaften Einbussen des Selbstwertgefühles zu erleiden, muss das Kind lernen und erleben, dass es nicht schuld ist an der Trennung und dass es –unabhängig von der Trennung- von beiden Elternteilen nach wie vor geliebt wird.
    Viele Kinder haben das Gefühl, keine „richtige“ Familie mehr zu haben. Sie empfinden ihre „geschiedene“ Familie als minderwertig und lückenhaft. Diese Vorstellung wird durch viele gesellschaftliche Normen und Ideen unterstützt.
    Wenigen gelingt es, stolz darauf zu sein, in einer schwierigen Lebenssituation die beste verfügbare Alternative gewählt zu haben, das Leben als Alleinerziehende/r zu meistern, es geschafft zu haben, trotz einer räumlichen Trennung eine gute und liebevolle Beziehung zu ihren gemeinsamen Kindern aufrecht zu erhalten.
    Es ist wichtig, auch mit Unterstützung von aussen, den Kindern die Gleichwertigkeit verschiedener Lebensformen nahe zu bringen.
  4. Mit Zorn umgehen lernen
    Viele Kinder in Trennungs- und Scheidungssituationen haben besondere Schwierigkeiten, ihre Wut und ihren Zorn auszudrücken. Wut und Zorn sind durchaus berechtigt, da die Kinder mit einer unangenehmen und konsequenzreichen Situation konfrontiert werden, die sie selbst nicht herbeigeführt haben.
    Kinder benötigen gerade hier besondere Hilfestellungen. Um diesen eigenen, inneren Konflikt zu lösen, benötigen sie Ausdrucksmöglichkeiten für ihren Zorn und ihre Wut. So können sie wieder Vertrauen gewinnen und sich vergewissern, dass durch ihre Wut die Liebe und Zuwendung der Eltern nicht gefährdet wird.
  5. Aussöhnung mit den Eltern
    Die Überwindung von Wut und Zorn auf die Eltern -insbesondere auf den Elternteil, der die Trennung herbeigeführt hat- und die Aussöhnung mit den Eltern stellen einen Prozess dar, der Zeit beansprucht.
    Die Kinder erleben die Trennung häufig gegen sich und ihre kindlichen Interessen gerichtet.
    Diese Wut scheint besonders dann lange anzuhalten, wenn sich ein Elternteil mit den Kindern gegen den anderen Elternteil verbünden und Partnerkonflikte somit auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden.
  6. Akzeptieren der Dauerhaftigkeit der Trennung Normalität und Zukunftsorientierung kann sich dann einstellen, wenn es allen Beteiligten gelingt, die Trennung als endgültig zu akzeptieren und Strukturen wieder da sind. Das gelingt nicht allen gleichzeitig, jedes Individuum benötigt dazu seine eigene Zeit.
  7. Zuviel Bedeutung
    Nicht selten wird dem „Trennungsgeschehen“ zuviel Bedeutung zugemessen. Die Kinder müssen sich auf ihre Entwicklungsphasen und Aufgaben konzentrieren können. Beispielsweise werden die Kinder grösser und wollen erwachsen werden –mit und ohne geschiedene Eltern. Die Schwierigkeiten, die beispielsweise pubertierende Kinder ihren Eltern bereiten, sind nicht immer „trennungsbedingt“. Es kann gut möglich sein, dass sich die Kinder einfach mehr Freiraum erkämpfen wollen.
  8. Hilfe holen
    Ist die Situation nicht aushaltbar, ist es angebracht, Hilfe von Spezialisten zu holen um die Situation zu deeskalieren. Oft reichen schon ein paar Ideen und Anstösse aus, um Unklarheiten zu beseitigen und Sicherheit zu gewinnen.

 

Wie fühle ich, ob es meinen Kindern gut geht?

Setzen Sie sich in einem ruhigen Moment hin und schliessen Sie die Augen. Versetzen Sie sich in ihre Kindheit zurück. Sie sind das kleine Kind. Schauen und horchen Sie, was Ihre Umgebung macht. Ist eine fröhliche Stimmung da oder eine Belastende? Ist die Atmosphäre freundlich und kann sich das Kind wohlfühlen? Vielleicht nehmen Sie auch wahr, was die Kinder belasten könnte.

Sehr schnell spüren Sie, ob sich ihre Kinder wohl fühlen oder ob sie unter der Trennung leiden.

Kinder können sehr gut in zwei Wohneinheiten leben, sie sind sehr anpassungsfähig, aber sie müssen sich wohlfühlen und frei Sprechen dürfen, sowohl beim Vater, wie auch bei der Mutter! So können die Kinder auch bei getrennten Eltern „gesund“ aufwachsen, wenn sie von ihren Gegebenheiten und Erlebnissen beim anderen Elternteil erzählen dürfen und kein negativer Kommentar zurückkommt. Man kann einfach nur zu hören.

 

Kinder werden uns geschenkt, mit Glückseligkeit nehmen wir sie an, wir dürfen sie eine Zeit lang begleiten und müssen sie dann wieder loslassen.

 

Die Verbundenheit wird aber immer bleiben.